Hilfestellung im Alltag des alten Menschen, den die Pflegekräfte in ihrem eng bemessenen Zeitrahmen allein zurücklassen müssen und dessen Bedürfnissen andererseits Putz- und Hauswirtschaftspersonal nicht gerecht werden kann, gehört zum Aufgabenfeld einer ausgebildeten Seniorenassistentin.

So unterstützt sie beispielsweise einen gehbehinderten Menschen auf seinem Weg vom Frühstücksplatz am Küchentisch ins Wohnzimmer. Vielleicht liebt er es, für die Vormittagsstunden auf seinem Sofa zu sitzen, von wo er die Vögel im Garten beobachten kann. Die Seniorenassistentin wird darauf achten, dass immer ein Glas Wasser oder Saft bereitsteht und ihn zur Flüssigkeitsaufnahme ermuntern.
Wenn keine schriftlichen Arbeiten zu erledigen sind, wie Beantwortung eines behördlichen Schreibens, private Korrespondenz oder sogar ein Stück Biografiearbeit, liest sie ihm etwa die Tageszeitung vor und bespricht die Artikel und Informationen seines Interesses, wobei sie jegliche eigene Denkleistung des Betreuten anregt und unterstützt. Vielleicht fragt sie ihn nach seiner Meinung zu politischem Tagesgeschehen, gesellschaftlichen Ereignissen oder frischt seine Erinnerung an erwähnte Stadtteile und Straßen auf. Das tägliche Kreuzworträtsel kann gemeinsam erarbeitet und durch weitere Denksportaufgaben ergänzt werden. Auch das Bestimmen der verschiedenen Vogelarten könnte hier, gegebenenfalls sogar anhand eines illustrierten Sachbuches, Interesse anregen und Freude bereiten.

Bevor der Senior vielleicht danach ermüdet und die Zeit bis zum Eintreffen des Essens auf Rädern mit einem „Nickerchen“ auf dem Sofa verbringt, prüft die Seniorenassistentin die Erreichbarkeit des Telefons und erledigt noch eventuelle Medikamentengaben oder andere Hilfsleistungen. Sie verabschiedet sich, wenn laut Vereinbarung etwa ab mittags ein Angehöriger die Betreuung weiterführen wird.

An ihrer nächsten Einsatzstelle wartet zum Beispiel eine Seniorin auf Unterstützung bei Einkäufen und der Assistenz am Bankschalter, weil sie die Kontrolle über ihr Konto nicht an Angehörige abgeben, sondern mit einem Menschen ihres Vertrauens mögliche Geldgeschäfte eigenständig erledigen möchte. Auch bei einem gewünschten Museums- oder Galeriebesuch wird die Seniorenassistentin hilfreiche und anregende Begleitung bieten.

Bedürftigen Menschen das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln, gehört zu den hervorragenden Aufgaben der geschulten Seniorenassistentin. Wo unter Umständen ein Angehöriger seinen an Demenz erkrankten Vater nachmittags allein lassen muss, kann sie die notwendige Betreuung gewährleisten. Dank ihrer Kompetenz fühlt sie sich in die spezifische Bedürftigkeit des Patienten ein und findet hilfreiche Ansprache und Antworten für sein Sicherheitsbedürfnis. Möglicherweise begleitet sie den Erkrankten zu einer passenden Veranstaltung wie Konzert oder Singkreis, oder sie ermuntert ihn zu Bewegungsübungen sowie für ihn durchführbare Tätigkeiten wie Tischdecken zum Abendbrot.

In den meisten Fällen kann mit Hilfe einer Seniorenassistentin der Umzug Betroffener ins Alters- oder Pflegeheim vermieden oder doch hinausgezögert und dadurch ihre Lebensqualität erhalten und unter Umständen sogar gesteigert werden.